Rasselisten deutscher Bundesländer

  • Leider haben noch immer die meisten deutschen Bundesländer eine Rasseliste bzw. ein Hundegesetz (mit unterschiedlichem Namen in jedem Bundesland), welches bestimmte Hunde als gefährlich ausweist, weil sie einer bestimmten Rasse angehören. Diese Hunde werden dann als Listenhunde oder Kampfhunde bezeichnet. Dabei werden in manchen Gesetzen Rassen genannt, andere nennen "Hundetypen".


    Es gibt keine einheitlichen Regelungen, weder bei der Führung bestimmter Rassen auf der Liste, noch bei der Unterscheidung in eine Kategorie 1 oder 2. Manche Bundesländer nehmen gar keine solche Unterscheidung vor, andere schon, definieren aber jeweils wieder anders, was darunter zu verstehen ist. Allerdings gibt es eine Gemeinsamkeit: Die Haltungsauflagen gelten immer für reinrassige Tiere und deren Kreuzungen!


    Da ein Verstoß gegen das Hundegesetz meist die Beschlagnahmung des Hundes zur Folge hat und aufgrund der Unterschiede in den einzelnen Verordnungen sollte sich jeder angehende Listenhundhalter noch einmal selbst ausführlich informieren. Am besten liest man dazu das ganze Hundegesetz des Bundeslandes (in der unten stehenden Liste als PDF zu finden) und erkundigt sich zusätzlich bei seiner Gemeinde über die Haltungsbedingungen.


    Trotzdem hier eine kleine Übersicht, welche Hunde überhaupt unter die Hundegesetze fallen:


    Baden-Württemberg:
    Unterscheidung in Kategorie 1 und 2. Zu Kategorie 1 (gefährliche Hunde) zählt derzeit keine Hunderasse.
    Zu Kategorie 2 (Hunde, deren Gefährlichkeit vermutet wird, aber widerlegt werden kann) zählen Pit Bull Terrier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Bull­ma­s­tiff, Bull­ter­rier, Dogo Argen­tino, Dogue de Bor­deaux, Fila Bra­si­leiro, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napo­le­tano, Staf­fordshire Bull­ter­rier und Tosa Inu.
    Allerdings wird zwischen American Staffordshire Terrier, Bullterrier sowie Pit Bull Terrier und den anderen neun Rassen unterschieden, was den Umgang mit der angeblichen Gefährlichkeit angeht. Die ersten drei Rassen gelten als "Kampfhunde", ihre Haltung ist ab einem Alter von sechs Monaten erlaubnispflichtig. Für die Erlaubnis ist ein berechtigtes Interesse an der Haltung nötig. Für Kampfhunde gelten Maulkorb- und Leinenzwang, die Haltungserlaubnis ist stets mitzuführen. Die Zucht/Kreuzung mit diesen Rassen ist untersagt.
    Für die anderen neun Rassen gilt die Vermutung anders herum: Zeigen sie in einer Prüfung ein bedenkliches Verhalten, werden sie als Kampfhunde eingestuft, woraufhin dieselben Restriktionen wie oben beschrieben gelten.
    Verordnung: Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde
    zugehörige Verwaltungsvorschrift


    Bayern:
    Unterscheidung in Kategorie 1 und 2. Zu Kategorie 1 (gefährliche Hunde) zählen Pit Bull, Bandog, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier und Tosa Inu.
    Zu Kategorie 2 zählen Alano, Ame­rican Bulldog, Bull­ma­s­tiff, Bull­ter­rier, Cane Corso, Dog Argen­tino, Dogue de Bor­deaux, Fila Bra­si­leiro, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napo­le­tano, Perro de Presa Canario (Dogo Canario), Perrode Presa Mal­lor­quin und Rottweiler.
    Hunde der Kategorie 1 gelten als unwiderlegbar gefährlich. Eine Befreiung von kampfhundspezifischen Einschränkungen ist nicht möglich. Außerdem ist ihre Haltung erlaubnispflichtig, wobei die Erlaubnis von der Unbedenklichkeit des Halters und seinem berechtigten Interesse an der Haltung abhängt.
    Bei Hunden der Kategorie 2 kann ein Negativzeugnis aufgrund eines Wesenstests erteilt werden, was den Hund von den Auflagen eines Kampfhundes befreit. Welche Auflagen das sind, kann jede Gemeinde eigenständig festlegen. Im Normalfall sind es zumindest Leinen- und Maulkorbzwang sowie eine erhöhte Hundesteuer.
    Verordnung: Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit (Rasseliste)
    Die besonderen Anforderungen an die Haltung sind im Artikel 18, 37 und 37a des "Gesetzes über das Landesstrafrecht und das Verordnungsrecht auf dem Gebiet der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (Landesstraf- und Verordnungsgesetz - LStVG)" zu finden.


    Berlin:
    Keine Unterteilung in Kategorien. Folgende Rassen gelten ab einem Alter über sechs Monaten als übersteigert aggressiv: Pit Bull, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Bull­ter­rier, Tosa Inu, Bull­ma­s­tiff, Dogo Argen­tino, Fila Bra­si­leiro, Mastin Espanol, Mastino Napo­le­tano und Mastiff.
    Das Halten dieser Rassen bedarf der Vorlage eines Führungszeugnisses, eines Sachkundenachweises und eines bestandenen Wesenstests. Werden diese Unterlagen nach einer behördlichen Prüfung anerkannt, erhält der Hund eine grüne Plakette als Bestätigung für die Haltungserlaubnis. Für gefährliche Hunde gilt eine Leinen- und Maulkorbpflicht.
    Verordnung: Gesetz über das Halten und Führen von Hunden in Berlin


    Brandenburg:
    Unterteilung in Kategorie 1 und 2. Als Kategorie 1 (unwiderlegbar gefährlich) gelten Ame­rican Pit Bull Terrier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Bull­ter­rier, Staf­fordshire Bull­ter­rier und Tosa Inu.
    Unter Kategorie 2 fallen Alano, Bull­ma­s­tiff, Cane Corso, Dober­mann, Dogo Argen­tino, Dogue de Bor­deaux, Fila Bra­si­leiro, Mastiff, Mastin Español, Mastino Napo­le­tano, Perro de Presa Canario, Perro de Presa Mal­lor­quin und Rottweiler.
    Die Haltung von Hunden der Kategorie 1 ist generell verboten. Für Hunde der Kategorie 2 kann ein Negativzeugnis ausgestellt werden, allerdings ist auch ihre Haltung erlaubnispflichtig.
    Verordnung: Hundehalterverordnung


    Bremen:
    Keine Unterteilung in Kategorien. Vermutung der Gefährlichkeit von Pit Bull Terrier, Bull­ter­rier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier und Staf­fordshire Bull­ter­rier.
    Diese Rassen dürfen in Bremen grundsätzlich nicht gehalten oder gezüchtet werden. Ausnahmen gelten nur, wenn sich der Halter nur vorübergehend mit seinem Hund in Bremen aufhält (Urlaub bspw.), oder wenn er aus einem Tierheim in Bremen adoptiert oder als Fundtier aufgenommen wird. Doch die Aufnahme eines Tierheimhundes, der zu diesen Rassen zählt, muss von den örtlichen Behörden genehmigt werden. Wird die Ausnahme erteilt, ist kein Negativzeugnis möglich. Es gelten Leinen- und Maulkorbpflicht.
    Verordnung: Gesetz über das Halten von Hunden


    Hamburg:
    Unterscheidung in zwei Kategorien. Unter 1 fallen Pit Bull Terrier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier und Bull­ter­rier.
    Unter 2 fallen Bull­ma­s­tiff, Dogo Argen­tino, Dogue de Bor­deaux, Fila Bra­si­leiro, Kangal, Kau­ka­si­scher Owtscharka, Mastiff, Mastin Español, Mastino Napo­le­tano, Rott­weiler und Tosa Inu.
    Hunde der Kategorie 1 gelten als unwiderruflich gefährlich, Hunde der Kategorie 2 können über einen Wesenstest ein Negativzeugnis erhalten. Das Halten eines gefährlichen Hundes ist nur mit einer behördlichen Erlaubnis gestattet. Für gefährliche Hunde gelten Leinen- und Maulkorbpflicht.
    Verordnung: Hamburgisches Gesetz über das Halten und Führen von Hunden (Hundegesetz)


    Hessen:
    Keine Unterscheidung in Kategorien. Vermutung der Gefährlichkeit bei Pit Bull Terrier oder Ame­rican Pit Bull Terrier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier oder Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier, Bull­ter­rier, Ame­rican Bulldog, Dogo Argen­tino, Kangal, Kau­ka­si­scher Owtscharka sowie Rottweiler.
    Die Haltung der genannten Rassen bedarf einer Erlaubnis, die unter anderem einen Wesenstest und einen Sachkundenachweis einschließt. Es gelten Leinen- und Maulkorbzwang.
    Verordnung: Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden (HundeVO)


    Mecklenburg-Vorpommern:
    Keine Unterscheidung in Kategorien. Vermutet widerlegbare Gefährlichkeit bei Ame­rican Pit Bull Terrier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier und Bull­ter­rier.
    Ist die Gefährlichkeit nicht widerlegt, gelten Leinen- und Maulkorbzwang und der Hund darf nur einzeln geführt werden. Die Haltung gefährlicher Hunde ist erlaubnispflichtig.
    Verordnung: Verordnung über das Führen und Halten von Hunden (Hundehalterverordnung)


    Niedersachsen:
    Keinerlei Besonderheiten für Hunde bestimmter Rassen.
    Verordnung: Niedersächsisches Hundegesetz


    Nordrhein-Westfalen:
    Unterscheidung in zwei Kategorien. Kategorie 1 sind Pit Bull Terrier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier und Bull­ter­rier.
    Als Kategorie 2 zählen Alano, Ame­rican Bulldog, Bull­ma­s­tiff, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napo­le­tano, Fila Bra­si­leiro, Dogo Argen­tino, Rott­weiler und Tosa Inu.
    Für die Haltung der Rassen beider Kategorien ist eine offizielle Erlaubnis erforderlich, wobei Hunde der Kategorie 2 diese einfacher bekommen (im Grunde nur ein Sachkundenachweis des Halters). Leinen- und Maulkorbpflicht gelten für Hunde beider Kategorien, es können aber auch Hunde beider Kategorien davon befreit werden.
    Außerdem gelten strengere Auflagen für 20/40-Hunde (Hunde über 20 Kilo oder 40cm Schultermaß) als für Kleinhunde, unabhängig von der Rasse.
    Verordnung: Landeshundegesetz Nordrhein-Westfalen


    Rheinland-Pfalz:
    Keine Unterscheidung in Kategorien. Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier sowie Hunde des Typs Pit Bull Terrier gelten als gefährlich und damit erlaubnispflichtig, wobei für das Erteilen der Erlaubnis ein begründetes Interesse an der Haltung nachgewiesen werden muss.
    Verordnung: Landesgesetz über gefährliche Hunde Rheinland-Pfalz


    Saarland:
    Keine Unterscheidung in Kategorien. Die Haltung von Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier sowie Ame­rican Pit Bull Terrier ist erlaubnispflichtig. Ein Wesenstest kann die Einstufung als gefährlicher Hund jedoch vollständig aufheben, sodass auch keine Erlaubnis mehr notwendig ist.
    Verordnung: Polizeiverordnung über den Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden (Hundegesetz)
    zugehörige Verwaltungsvorschrift


    Sachsen:
    Keine Unterscheidung in Kategorien. Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Bull­ter­rier sowie Pit Bull Terrier gelten generell als gefährlich.
    Diese drei Rassen unterliegen einer Leinen- und Maulkorbpflicht.
    Verordnung: Gesetz zum Schutze der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden (Hundegesetz)


    Sachsen-Anhalt:
    Keine Unterscheidung in Kategorien. Als gefährlich gelten Pit Bull Terrier, Ame­rican Staf­fordshire Terrier, Staf­fordshire Bull­ter­rier und Bull­ter­rier.
    Für diese Rassen ist ein Wesenstest vorgeschrieben. Wird dieser bestanden, gilt der Hund nicht weiter als gefährlich. Wird der Test nicht bestanden, muss eine Haltungserlaubnis beantragt werden und der Hund unterliegt einem Leinen- und Maulkorbzwang, bis die Gefährlichkeit widerlegt wurde.
    Verordnung: Gesetz zur Vorsorge gegen die von Hunden ausgehenden Gefahren
    zugehörige Durchführungsverordnung


    Schleswig-Holstein:
    Ab dem 1.1.2016 wird bei keiner Rasse mehr eine gesteigerte Gefährlichkeit vermutet. Dafür werden die Haltungsbedingungen für alle Hunde strenger (Versicherungspflicht und Kennzeichnungspflicht bspw.).
    Verordnung: Gesetz über das Halten von Hunden


    Thüringen:

    Anfang 2018 wurde die Rasseliste abgeschafft. Eine neue Verordnung mit allgemeinen Maßgaben zur Hundehaltung ist derzeit nicht verfügbar.



    Als kleine Schlussbemerkung: Theoretisch können Hunde jeder Rasse in jedem Bundesland als gefährlich eingestuft werden, wenn sie auffällig werden. Sie werden dann wie gefährliche Hunde der Rasseliste gehandelt (oder gesondert, wenn es keine Rasseliste gibt).