• Huhu,


    die Frage geistert ja immer mal wieder auf verschiedenen Plattformen herum: Kann man einen Hund vegan ernähren?
    Ich habe heute zufällig einen interessanten Artikel zu dem Thema gelesen: http://www.sueddeutsche.de/sti…-gurkenleckerli-1.3611903


    Es geht dort um eine Veganerin, die ein veganes Bistro betreibt, ihre Hunde eine Zeit lang vegan ernährt hat und auch ein Buch darüber geschrieben hat. Heute füttert sie wieder Fleisch (Barf). Mich fasziniert das Thema immer wieder. Hier mal ein paar Auszüge aus dem Artikel, wieso:


    Zitat

    Die Zahl der Veganer hat sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht und liegt jetzt bei 1,3 Millionen. Gleichzeitig wächst die Begeisterung der tierlieben Deutschen für Hund, Katze, Vogel und Maus; laut einer Statistik des Industrieverbands Heimtiermarkt gibt es 31,6 Millionen Haustiere in deutschen Familien, die Schnittmenge zwischen Hundehaltern und Veganern ist groß. Für die Tierindustrie ein gefundenes Fressen: Das Segment an veganen und vegetarischen Produkten für Tiere wird ständig ausgeweitet.


    Das ist für mich zum Beispiel ein ganz wichtiger Punkt. Oft habe ich gelesen oder gehört "Wenn es das im Tierladen gibt, kann es ja nicht schaden". Es ist erstaunlich, was Firmen auf Basis von Marktforschung alles zu ihren Gunsten ausnutzen. Ich fand es bemerkenswert, dass das hier recht weit oben schon in dem Artikel angeführt wird, denn ich halte es für essenziell wichtig. Hier wird ein Markt geschaffen, wo keiner ist, der die eigenen Bedürfnisse des Menschen ausnutzt und dazu verleitet, sie auf den Hund zu übertragen. Und dann sind die Sachen natürlich noch schick hergemacht, sodass es möglichst gesund aussieht.


    Eine sehr interessante Feststellung kommt von Jürgen Zentek, Direktor des Instituts für Tierernährung an der FU Berlin. Ich habe sein Buch zur Ernährung des Hundes gelesen und fand es sehr spannend. Umso spannender:

    Zitat

    Zum Speiseplan von Hunden gehören auch pflanzliche Bestandteile, "aber ob es biologisch auf Dauer sinnvoll ist, sie rein vegetarisch zu ernähren, weiß man aus wissenschaftlicher Sicht nicht", sagt Zentek.


    Wobei mir "weiß man nicht" fast noch zu schwach ist. Die Beobachtungen zu den Veränderungen zwischen Wolfs- und Hundemagen werden ja immer wieder besprochen und es steht denke ich in den meisten Kreisen doch recht sicher fest, dass der Hund je nach Auslegung der Bezeichnung etwas zwischen fakultativem Karnoviren und Omnivoren ist. Und kein Herbivore.


    Bei Katzen wird – in dem Artikel auch erwähnt – irgendwie anders geurteilt. Klar, sie können keine Kohlenhydrate aufspalten und brauchen wesentlich weniger pflanzlichen Anteil in der Nahrung. Aber wieso wird hier so ein klarer Unterschied gezogen? Der Artikel hat mich erstmals auf einen Gedanken dazu gebracht: Dort steht, Katzen seien ja auf das Fangen von Mäusen ausgelegt. Weiter oben steht, Hunde bekämen eben die Essensreste vom Menschen. Liegt hier vielleicht der Unterschied in der Ansicht? Katze noch näher an der Natur, weil Katze jagt? Aber was, wenn Hund auch jagt? Meiner ist scharf auf Mäuse, als wäre er eine Katze.


    Jetzt kommt der Clou: Der Artikel geht nachher einen ähnlichen Weg. Denn was würden Hunde wählen, wenn sie die Wahl hätten? Einerseits ein netter Gedanke, andererseits nur sehr bedingt als Argument anzuführen. Mein Hund bekommt z.B. täglich Fleisch und würde daher in manchen Situationen Obst oder Gemüse bevorzugen. Aber was heißt das dann für seine gesamte Ernährung? Und was würde es für meine bedeuten, wenn ich einmal lieber zum Schokoriegel greife als zum Salat?


    Nichts desto trotz finde ich das Thema immer wieder spannend. Und ich habe es lange nicht mehr so sachlich diskutiert gelesen, weswegen ich den Artikel hier gerne mit euch teilen wollte =).


    Liebe Grüße

  • Lieben Dank für das Teilen des Artikels.
    Es ist wohl wie bei allen Dingen - ein zu viel ist schädlich. Ich denke, ein Hund kann schon eine Zeit sehr gut vegetarisch ernährt werden ohne nen riesen Mangel zu bekommen.
    Ausschließlich und nur vegetarisch finde ich bedenklich. Denn ich habe mich selber über viele Jahre vegetarisch ernährt und kann mitteilen, dass selbst bei mir Mangelerscheinungen aufgetreten sind. Die ich, wenn überhaupt, hätte mit künstlichen Stoffen wieder zufügen hätte müssen. Das habe ich bei mir nicht gemacht. Sondern bin "einfach" wieder auf Fleisch essen zurück gegangen.
    So sehe ich das halt auch beim Hund. Den Vergleich kann man glaube ich schon ziehen.


    Ich finde es gut für die Hunde/Menschen die eine Allergie ausgebildet haben und aufgrund dessen sich vegetarisch/vegan ernähren müssen. dass es mittlerweile so viele verschiedene Dinge zu kaufen gibt.


    Und mal so nebenbei - meine Hündin steht total auf diese vegetarischen Frikadellen und Wiener Würstchen. Das ist ihr persönliches Highlight. ;)

  • Huhu,


    Zitat

    Es ist wohl wie bei allen Dingen - ein zu viel ist schädlich.


    Das kann ich nur unterstreichen.


    Zitat

    Ich denke, ein Hund kann schon eine Zeit sehr gut vegetarisch ernährt werden ohne nen riesen Mangel zu bekommen.


    Vegetarisch aller Wahrscheinlichkeit nach ja, aber vegan nicht. Ohne tierisches Eiweiß kommt ein Hund denke ich nur sehr kurze Zeit aus.


    Das mit den Mangelerscheinungen finde ich interessant zu hören. Ich kenne Vegetarier, die versichern, sie hätten noch nie Mangelerscheinungen gehabt, man müsse nur richtig essen. Andere sagen, das geht nur mit Zusätzen. Ich selbst habe nie vegetarisch gelebt, nur lange Zeit sehr ungesund. Und ich finde, ein Ungleichgewicht (mal egal, warum und woher) macht sich immer recht schnell bemerkbar.


    Da stellt sich mir aber dann die Frage: Zeigen vegane Hunde solche Erscheinungen nicht? Oder will sie der Halter nur nicht sehen?


    Wegen der Allergien: Ich denke mal, Allergien gegen jedes tierische Protein sind recht selten. Ich hab bisher vorwiegend von Rind und Ei gelesen. Wobei das auch so ein Streitthema ist ... Sind die Tests wirklich zuverlässig? Und ist es eine Allergie oder nur eine generelle Überforderung des Immunsystems? Scheinbar gibt es ja Hunde, die nach einer Entgiftung, einer Immunkur und einer Ausschlussdiät und bei rein natürlicher Ernährung ohne Fertigprodukte keinerlei Allergien mehr zeigen.


    Auswahl und Konkurrenz auf dem Markt weiß ich übrigens durchaus zu schätzen. Ich denke, das hält den Wettbewerb am laufen und die Firmen auf Trab. Ein Problem ist für mich nur, wenn neue Nischen geschaffen werden, die nicht auf "immer hochwertiger und gesünder" abzielen, sondern darauf, noch irgendwo was zu finden, das sich bedienen lässt. Wie viele Leute lesen schon genau, was im Futter drin ist? Wenn es im Tierladen steht, wird es schon passen. Wobei ich noch kein veganes Futter gesehen habe, das als Alleinfuttermittel ausgewiesen wurde. Ich wüsste auch nicht, wie das gehen sollte.


    Zitat

    Und mal so nebenbei - meine Hündin steht total auf diese vegetarischen Frikadellen und Wiener Würstchen. Das ist ihr persönliches Highlight.


    Das find ich jetzt total geil: Mein Hund liebt die Frikadellen auch! :D Sind das die von Aldi?

  • Abnormitäten der Futtermittelindustrie findest auch nicht nur im veganen/vegetarischen Sektor - Futtermittel mit der Proteinquelle Insekt finde ich genauso skuril.


    Ja genau - die von Aldi sind die Besten - meint mein Hund ;)
    Das ist ja witzig - die scheinen sehr begehrt zu sein. Ich finde die total ekelig. *kicher*

  • Bitte was? Insekten? Das ist mal was Neues :huh:.
    Wobei die Frage ist.... Die Tiere sind sicher einfacher zu züchten als Kühe. Und ich weiß nicht, wie es mit deren Schmerzempfinden aussieht? Proteinreich sollen sie ja sein. Klingt also ab vom angewöhnten Ekel gegenüber Insekten gar nicht mal so schlecht.


    [ot]Mein Verlobter mag die, ich ess die auch nicht. Ich war aber schockiert, dass mein Hund auch auf die steht. Elender Verräter :D.[/ot]

  • Jap, dieses Insektenfutter ist der neueste Hit auf dem Futtermarkt. Und alle HH mit Allergikerhunden stürzen sich drauf. Ob es nun hilft oder nicht kann ich nicht beurteilen. Das Futter finde ich sehr teuer. ABER diese Proteinquelle hat der Hund bestimmt vorher noch nicht gehabt - für ne Ausschlussdiät also Gold wert. Wobei....für ne AsD müsste ich dann doch die Insekten als alleinige Zutat füttern?! Dafür ist dann Trofu doch nicht so geeignet. Also doch eher ein Marketingding.

  • Ach ist das Trockenfutter?


    Bei Ausschlussdiäten bin ich ohnehin sehr kritisch. Ich bin auch kein Fan der "Fertigausschlussdiät" aus der Dose. Eine Proteinquelle, eine Beilage und beides frisch. So kann man es m.E. am besten feststellen, weil man wirklich allem anderen (Zusatzstoffe etc) aus dem Weg geht. Wobei die Insekten da natürlich wirklich super wären. Scheinbar reagieren ja inzwischen auch immer mal Hunde auf Pferd. Außerdem haben die meisten Hunde ja schon viele unterschiedliche Proteinquellen gefressen, weil sie inzwischen in so vielen Sorten verarbeitet werden.


    Marketingding würde ich nicht mal unbedingt sagen. Es könnte seine Berechtigung haben. Bin erst diese Woche über den Artikel hier gestolpert: http://www.sz-online.de/nachri…in-die-hoehe-3744281.html


    Hier mal ein Auszug:

    Zitat

    Hunde und Katzen verursachen vor allem über ihren Fleischkonsum einen beträchtlichen jährlichen Treibhausgas-Ausstoß. Allein in den USA entspreche dieser der Klimawirkung von rund 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich und damit der von fast 14 Millionen Autos, ergab eine im Fachmagazin Plos One vorgestellte Hochrechnung. Ein weiterer Vergleich daraus: Die US-Miezen und -Bellos verfuttern jährlich so viele Kalorien wie sämtliche Franzosen.


    Bei den Amerikanern gebe es 163 Millionen Hunde und Katzen. Als eigener Staat hätten sie dann laut dieser Hochrechnung den fünften Platz hinter Russland, Brasilien, den USA und China, was den Fleischkonsum angeht. Angeblich kommen dann noch fünf Tonnen Kot jedes Jahr drauf.


    Witziger Weise meint der Forscher dazu – immerhin sind wir hier ja im Thema vegane Hundeernährung :D:

    Zitat

    „Ich mag Hunde und Katzen, und ich empfehle definitiv nicht, dass Menschen ihre Haustiere loswerden sollten oder sie vegetarisch ernähren, was ungesund für sie wäre“, sagt Okin.


    Und dann kommt eben gerade der Punkt:

    Zitat

    Eine mögliche Option wären demnach alternative Proteinquellen für Hunde- und Katzenfutter.


    Leider wird im Artikel nicht wirklich darauf eingegangen. Gerade das wäre ja spannend gewesen. Der Forscher meint nur, man solle den Hunden wieder mehr Fleischabfälle geben, nicht das Steak. Meines Wissens sind Kühe hier die größten Methan-Produzenten. Also wäre es nicht sinnvoller, gleich nach einer Alternative für die ganze Kuh zu schauen? Da wären dann die Insekten vielleicht wieder was.

  • ja den Artikel hatte ich auf FB auch schon gelesen.
    Ich bin der Meinung, dass man diesbezüglich echt überreagiert. Die Produktion von Methan ist natürlich ein Thema - aber ganz ehrlich, dass liegt nicht daran, dass mein Hund pupst sondern daran, dass die Massentierhaltung so viel von diesem Gas produziert.
    Weg von billig Fleisch - wäre der erste Schritt in die richtige Richtung.


    Ob nun Insekten als Proteinquelle so sonderlich besser ist wage ich zu bezweifeln - Trofu ist Trofu und da sind dann nicht nur Insekten und eine KH Quelle drin sondern noch viele andere Nebenprodukte. Fällt also für eine Ausschlussdiät raus. Und als Lebendfutter wie für die Exoten - das ist mega ekelig. Also ich würde damit keine AD machen wollen. IIIIIIIIIgggggiiiittttt

  • Die Frage wäre: Frisst mein Hund lebende Insekten? Wohl eher nicht :D.


    In dem Artikel ist der Ansatz ja der, dass man weniger Fleisch brauchen würde, würde der Hund mehr Reste und weniger Steak bekommen. Da stellen sich mir aber zwei Fragen:
    1. Müsste man dann nicht bei sich selbst anfangen und erstmal als Mensch weniger Fleisch essen? Von uns gibt es immer noch mehr als es mit Steak ernährte Haustiere gibt.


    2. Würde es wirklich was bringen? Die Abschnitte werden ja jetzt auch verarbeitet, weitestgehend zu Tierfutter, soweit ich weiß. Was würde es dann ändern, wenn eine Hand voll Hunde minderwertigeres Fleisch bekäme?

  • Ja da hast du Recht. Unsere Ansätze sind sich nicht unähnlich. ;) 
    Menschen müssten mit der Ressource Fleisch gewissenhafter umgehen. Und sich nicht das billige Fleisch in Massen aus dem Diskounter holen sondern vom Metzger seines Vertrauens. Wo man das Fleisch noch bis zum Tier zurück verfolgen kann. Kostet zwar mehr. Aber man haushaltet auch mehr mit dem Fleisch. Denn mal ganz ehrlich - ich möchte weder Vegetarier noch Veganer werden. Ich mag gerne Fleisch. (ja auch wenn ich fast 10 Jahre lang vegetarisch gelebt habe).
    Und wenn man dann hingeht und die Reste dessen was vom Menschenessen übrig ist, an die Hunde abgibt, sind sowohl Mensch als auch Hund gut ernährt.
    Da braucht es kein Allergenfutter oder Futter mit komischen Proteinquellen.

  • Ich hole mein Futter für den Hund ja im Grunde so: Mein Metzger gibt mir die Abschnitte. Das, was dem Mensch zu fettig, sehnig oder "unschön" ist. Für den Hund ist das super Fleisch. Denn das fettfreie Steak ist schlussendlich auch ungesund – fehlt eben das Fett. Aber jeden "Müll", wie es manchmal anklingt, gebe ich deswegen auch nicht. Ich hab mal einen Artikel von einem Tierarzt über das Barfen gelesen, der meinte, Hunde würden Kot und Kotze fressen, da wäre es doch mehr oder weniger egal, womit man sie füttert. Hat mich damals ganz schön entsetzt, so eine undifferenzierte Aussage von einem Mann, den man für einen Fachmann – zumindest in gewissen Bereichen das Tier betreffend – halten sollte. Deswegen ist mir das auch so in Erinnerung.


    Ich finde den deswegen so ein gutes Beispiel, weil es zeigt, dass es immer ein "zu viel/zu wenig" gibt. Zu viel Mühe, zu wenig Mühe, zu viel hochwertig, zu wenig hochwertig usw..

  • Das stimmt.
    Manche übertreiben es wirklich enorm. Ich habe eine Bekannte die wollte unbedingt, dass ich meinem Hund mit Fleisch ernähre. Habe ich dann (erneut denn ich hatte sie die ersten beiden Jahre ja schon roh ernährt) probiert.
    Was ja figurtechnisch und magentechnisch in die Hose gegangen ist.